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\\ Die Geschichte des Shaolin \\
 

Die Entstehung des Shaolin Quanfa (Shaolin ch´uan fa, Shaolin quanshu, Shaolin kungfu, Shaolin Kempo) wird, auch wenn seine Wurzeln viel weiter zurückreichen, dem indischen Mönch Boddhidharma (oder Damo) zugeschrieben, der etwa im Jahre 520 nach China kam und sich im Shaolin-Kloster niederließ, um die Entwicklung des Chan in die Wege zu leiten. Obwohl der dort gelehrte Buddhismus ausschließlich auf die Rettung der Seele zielte, zeigte Damo seinen Schülern, dass Körper und Geist untrennbar waren. Die Einheit der beiden musste für die Erleuchtung gestärkt werden und die Mönche gewannen an physischer und psychischer Gesundheit, als Damo gezielte Übungen (Qigong) zur Stärkung von Körper und Geist einführte. Zu diesem Zweck entwickelte er die Yijinjing und die Xisuijing. Yijinjing bedeutet "Klassiker der Muskel- und Sehnenstärkung" und war ein Komplex von 12 Qigong Übungen. Sie waren so zusammengestellt, dass der Körper des Übenden gut beweglich und kräftig wurde. Xisuijing, was "Klassiker der Knochenmark Waschung" bedeutet, sind verschiedene Übungen zur Meditation und Qi-Lenkung. Yijinjing und Xisuijing stellten ein umfassendes Programm der inneren (Neigong) und äußeren Übung (Waigong) des Qigong dar. Vermutlich war Damo auf seinen Reisen von den daoistischen Priestern dazu inspiriert worden, die solche Techniken schon über Jahrhunderte verwendeten. Schnell zeigte sich auch, dass Qigong-Übende dem "normalen" Angreifer in der Selbstverteidigung überlegen waren. Durch die Stärkung ihrer Energie, ihres Körpers und ihres Geistes konnten sie in gefährlichen Situationen besser reagieren. Durch das intensive Studium der eigenen Seele und des Körpers hatten sie ein größeres Maß an Intuition erreicht. In Notzeiten begannen sie damit, in ihre tägliche Übung des Qigong verschiedene bewährte Techniken zur Selbstverteidigung einzubauen, und im Shaolin Kloster erweiterte man die Yijinjing von Boddhidharma um einige Kampftechniken. Mit der Zeit, vor allem wenn die Menschen nicht auf den Schutz ihrer Regierung bauen konnten (in China also fast immer), wurden die Kampftechniken immer stärker betont und nahmen irgendwann die meiste Zeit einiger Übenden in Anspruch. Während Qigong also auch in seiner ursprünglichen Form weiter geübt wurde, entstanden immer mehr Kombinationen zwischen Qigong und Kampfübungen, die man im Shaolin-Kloster als Shiba Luohanshou (18 Hände der Buddha-Schüler) bezeichnete, aus denen sich später alle asiatischen Kampfkünste entwickeln sollten. Sie werden heute als die Grundlage der späteren Waijia (äußere Schule) angesehen. Die Kampfverfahren pflegten in ihren Übungen die Inhalte des Qigong weiter, da diese die Basis für die körperliche, energetische und geistige Stärke des Kämpfers waren.

So wurden Meditation, Atem-, Qi- und Bewegungsübungen parallel zu den Kampftechniken geübt und in ihre Bewegungen integriert. Jenseits der herkömmlichen Kampftechniken in China (außerhalb des Shaolin, vor allem in der Armee, gab es mehrere rein körperbetonte Kampfstile, vor allem das Changquan, das zur Ausbildung der Soldaten verwendet wurde), die eher als roh und unkultiviert galten, verband man im Shaolin-Kloster Qigong und Kampftechnik dermaßen miteinander, dass daraus eine in jeder Hinsicht wertvolle Kunst entstand. Die Mönche gründeten Formabläufe (chinesisch Lu oder Dao, japanisch Kata) und vermischten Kampftechnik und Qigong in sinnvollen Kombinationen. Alle Schüler, auch wenn sie sich vorerst nur für das Kämpfen begeisterten, lernten zuerst wie man Atmung und Energie schult, wie man den Geist lenkt, u.a. Noch heute existiert dieses hintergründige Konzept z.B. in den Kata des Karate, kann jedoch nur über ein intensives Studium des Qigong verstanden werden. Leider haben sich die modernen Kampfkünste wieder zur rein formalen Technik zurückentwickelt. Da sich die Schüler bei den Kampfübungen häufig schwer verletzten, beschäftigten sich viele Kampfkunst-Meister auch mit der Medizin. So konnten sie verschiedene Verletzungen behandeln und ihren Schülern auch in anderen Krankheiten beistehen. Von Muskelkater über Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Muskel-, Bänder-, Sehnenverletzungen, Brüche bis hin zu anderen Krankheiten erstreckte sich ihr Wissen. Nicht selten wurden Kampfkunst-Meister zu Ärzten und Ärzte erlernten die Kampfkünste. In der Qing-Dynastie vermischen sich diese beiden Berufe dermaßen miteinander, dass selbst kampfkunstmäßig ungeübte Ärzte zu ihrer Selbstverteidigung Akupunkturnadeln mit sich herumtrugen, mit denen sie die Vitalpunkte ihrer Angreifer negativ stimulierten.

Die traditionellen Kampfkünste enthielten immer einen großen Teil der chinesischen Medizin. In Japan kennt man bis heute Kuatsu, die Notfallmedizin der Kampfkünste. In dieser Kunst werden im Gegenzug zu gefährlichen, lebensbedrohenden Techniken der Kampfkünste, die Aufhebung ihrer Wirkung gelehrt. Das medizinische Wissen wurde nicht nur zur Behandlung von Verletzungen eingesetzt, sondern wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesundheitspflege. Man entdeckte, dass viele Bewegungen positive Auswirkungen auf das Gesundheitssystem haben, indem sie bestimmte Leitbahnen strecken oder Punkte darauf stimulieren. Man stellte die Bewegungen so um, dass durch Berührungen, Druck oder Schlag Punkte massiert wurden. Außerdem entwickelte man besondere Haltungen, die das Qi stärken und durch zusätzliche Konzentration auf wichtige Punkte werden bestimmte Energiesysteme unterstützt. Dieses Wissen half, die Kampfkunst-Bewegungen noch mehr auszufeilen und auf die speziellen Bedürfnisse des Körpers abzustimmen. Die Meister konnten so ihren Körper sehr gut kennenlernen und waren bis ins hohe Alter in der Lage, die Kampfübungen auszuführen. Sie wurden nicht etwa mit zunehmendem Alter schwächer, sondern gewannen noch an Kraft und Können. Bald entdeckte man, das die gleichen Punkte, die am eigenen Körper zu Gesundheit führten, bei einem anderen Menschen auch negativ stimuliert werden können.

Durch einen Schlag, Griff oder einen festen Tritt konnte die Energie in den Punkten auch zum Stillstand gebracht werden, was zu Tod, Ohnmacht, Lähmungen oder Schmerzen führte. Diese negative Stimulation wurde Dianxue oder Dim Mak genannt. Sie stellt bis heute eine der höchsten Fertigkeiten der Kampfkünste dar.

 










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